Bei funktionaler Gestaltung denkt man zurecht sofort an das Bauhaus. Deswegen verwundert es nicht, dass von Weimar und Dessau wesentliche Impulse auch für die typographische Formgebung ausgingen. Denn in den 1920er Jahren  veränderte sich das Erscheinungsbild von Drucksachen fundamental: Mit der »Neuen Typographie« setzte sich eine Bewegung durch, die sich klassischen Layout-Prinzipien verweigerte. Ziel war eine Optimierung der Drucksachen hinsichtlich ihrer Lesbarkeit, die Standardisierung in Schrifttypen wie Blattformaten und insgesamt eine Orientierung an der Deutschen Industrienorm (DIN). Die anachsiale Satzanordnung von bevorzugt serifenlosen Schrifttypen in größtmöglicher Klarheit, ohne ablenkenden Zierrat und mit der neusachlichen Fotografie als auffälligem Bildelement setzte sich bei der werbetreibenden Wirtschaft durch und bestimmt unsere visuelle Sozialisation bis heute.

Das Bauhaus war eine der erste Einrichtungen, die ihre Drucksachen konsequent nach den Prinzipien der Neuen

    Typographie gestaltete – fünf Jahre nach deren »Urknall« durch ein Faltblatt der Dada-Künstler George Grosz und John Heartfield (1917). Die erste große Bauhaus-Ausstellung 1923 und die Einweihung des von Gropius entworfenen Schulgebäudes 1926 boten die willkommenen Anlässe, um Werbe- und Informationsschriften in einem unverkennbaren,neusachlichen Layout zu präsentieren. Zunächst formulierte der Bauhaus-Meister László Moholy-Nagy, der fortan federführend für das Grafikdesign der Einrichtung werden sollte, mit seinem Aufsatz »Die neue Typographie« die programmatische Grundlage der Bewegung – und prägte mit seinem Aufsatztitel auch gleich ihren Namen.

    Zu einer Erfolgsgeschichte entwickelte sich die Reihe der »Bauhausbücher «, in der zwischen 1925 und 1929 insgesamt 14 Bände erscheinen sollten. Als deutlich geeigneter für die schnelle und aktuelle Kommunikation mit den verschiedenen Interessenten an der Bauhausarbeit erwiesen sich allerdings die 14 Ausgaben der ab 1926 etwa vierteljährlich in Dessau herausgegebenen Bauhauszeitschrift. Sie wurde später von Herbert Bayer bzw. Joost Schmidt, den Leitern der Reklamewerkstatt am Dessauer Bauhaus, gestaltet und richtete sich an einen internationalen Adressatenkreis. Weitere Drucksachen entstanden zu Anlässen wie den Bauhausfesten, als Reklame für die Produkte der Bauhauswerkstätten oder als Auftragsarbeiten für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

    Jenseits des Bauhauses brachte die „Neue Typographie“ in Deutschland u.a. mit Willi Baumeister und Kurt Schwitters, Max Burchartz und Walter Dexel, Jan Tschichold oder den Geschwistern Leistikow eine eindrucksvolle Reihe bedeutender Grafik-Designer des 20. Jahrhunderts hervor. Die Ausstellung „Das Bauhaus wirbt!“ widmet sich auch diesen Gestaltern im stilistischen Umfeld und zeigt durchaus einige der wohlbekannten Ikonen der Neuen Typografie – aber bezieht auch weniger bekannte und eher schlichte Umsetzungen ein, um Spitze und Breite des Gebiets zu präsentieren. Brennpunkte sind die Grafikerszenen in Mitteldeutschland zwischen Magdeburg und Halle, rund um das »neue Frankfurt« und den »Ring neuer Werbegestalter«.

    Neben Broschüren und Plakaten, Prospekten und Faltblättern zeigt die Präsentation auch die Ausstrahlung auf die Buchgestaltung und das Zeitschriftenlayout anhand einer Fülle von Schutzumschlägen und Illustriertentiteln, die die »Neue Typografie« in ihrer eigenen Weise adaptiert haben. Auch die scharfen antifaschistischen Fotomontagen von John Heartfield wurden seinerzeit als Teil der Bewegung aufgefasst. Ein Ausblick dokumentiert anhand ausgewählter Beispiele, wie diese Gestaltungsprinzipien von Grafik-Designern in anderen Staaten aufgegriffen, selbst unter dem NS-Regime angewendet wurden und sich bis in die Gegenwart erhalten haben.

    Faltblatt zur Ausstellung "Das Bauhaus wirbt - Neue Typographie und funktionales Grafikdesign in der Weimarer Republik"

    Katalog zur Ausstellung

    Buchtipp

    Zur Ausstellung „Das Bauhaus wirbt“ ist das Katalogbuch „Neue Typografien. Bauhaus & mehr. 100 Jahre funktionales Grafikdesign in Deutschland“ von Patrick Rössler im Wallstein Verlag erschienen.

    ISBN:   

    978-3-8353-3367-3

    Umfang:

    232 Seiten, über 1.000 Abbildungen

    Sprachen:

    deutsch/englisch

    Preis:

    38,–€

    Internet:www.wallstein-verlag.de

     

    "Das Bauhaus wirbt"

    Begleitveranstaltungen

    10. März
    15.00 Uhr

    mit Prof. Dr. Patrick Rössler

    Wann:
    Sonntag, 10.03.2019
    Wo:
    KunstForum Gotha, Gotha
    Preis:
    ab 3,00 €
    03. April
    19.00 Uhr

    mit Prof. Dr. Patrick Rössler

    Wann:
    Mittwoch, 03.04.2019
    Wo:
    KunstForum Gotha, Gotha
    Preis:
    ab 3,00 €
    12. Mai
    15.00 Uhr

    mit Prof. Dr. Patrick Rössler

    Wann:
    Sonntag, 12.05.2019
    Wo:
    KunstForum Gotha, Gotha
    Preis:
    ab 3,00 €

    Mit freundlicher Unterstützung der

    Sponsoren & Förderer

    Die KulTourStadt Gotha GmbH bedankt sich bei den Unterstützern der Ausstellung "Das Bauhaus wirbt - Neue Typografie und funktionales Grafik-Design in der Weimarer Republik".